Freitag, 7. November 2014

Der Beginn einer Reise...

Ich glaube es war irgendwann im Sommer 2013, es kann auch das Frühjahr gewesen sein, da fiel mir über Facebook eine Cosplayerin auf, die eine wunderschöne Rüstung trug.
Hatte ich mich als Kind schon gerne verkleidet, so tat ich das als Erwachsene nicht minder. Sei es auf dem Amphi-Festival oder dem örtlichen MPS - ich nutzte die Gelegenheiten um nicht in Standard-Kleidung rumzulaufen. Das mir dann das Cosplay auffiel und ich es natürlich toll fand, steht ja wohl außer Frage.
Aber von diesem ersten "erblicken" und "wünschen" bis zum ersten Cosplay, was aus meiner Näh- und Bastelküche entschlüpfte war es noch ein langer Weg.

Zweite Station war die Gamescom 2013. Mit einem Bekannten machte ich, zugegeben das erste Mal nach vielen Jahren, das Gelände der Kölner Messe unsicher. Meine Äuglein gingen über und ich wurde neidisch. Nicht im negativen Sinne sei hier angemerkt. Ich beneidete die Fähigkeiten der anwesenden Cosplayer, ihre Geduld, ihren Mut und, ja ich gebe es zu, ich traute mich nicht, auch nur einen von ihnen anzusprechen. Obwohl ich weiß Gott gerne ein Bild mit dem Female Garrosh aus World of Warcraft (mittlerweile weiß ich, es ist die talentierte Hiding Cosplay) gehabt hätte. Ich hatte und habe immer noch großen Respekt vor diesen Cosplayern. Und das werde ich wohl immer haben.

So stand ich also neidisch vor dem Blizzard Stand auf der GC 2013 und träumte davon auch nur einmal so ein Kostüm zu tragen.
Angemerkt sei hier: ich bin relativ klein und nicht gerade eine Elfe. Zwergenmaße schon eher. Doch an diesem Tag nahm ich mir vor, selber ein Cosplay zu basteln. Ich bin großer World of Warcraft Fan und spiele seit einigen Jahren begeistert meine Charaktere in diesem Spiel. Und ich bin ein großer Fan der Lore um Jaina Proudmoore und Arthas Menethil, auch besser bekannt als der Lichking.
Da ich mich nicht an eine Rüstung rantraute, entschied ich mich für Jaina. Aber daraus sollte erstmal nichts werden, denn: mein Selbstbewusstsein war (und ist immer noch) nicht das Beste. Zwergenform entspricht nun mal nicht dem Schönheitsideal und außerdem, so dachte ich, reichten meine handwerklichen Fähigkeiten nicht einmal ansatzweise.

Zeit verging und die gekauften Materialien setzten langsam aber sicher Schimmel an. Mittlerweile war ich, durch einen dummen Zufall wieder an die Nähmaschine geraten. Schon meine Kindheit hatte ich mit Nadel und Faden in den unterschiedlichsten Ausführungen verbracht, und dank meiner Oma auch so einiges gelernt. Nähen stellt für mich keine große Herausforderung dar, im Gegenteil.
Eine Freundin von mir kam Ende 2013 auf mich zu und fragte, ob es möglich wäre, ihr für Karneval ein Mittelalterkleid zu nähen. Natürlich ist es möglich und so suchten wir nach hübschen Bildern und, um es mir nach 10 Jahren Nähabstinenz einfacher zu machen, nach einem entsprechenden Schnittmuster. So fing das mit dem Nähen wieder an. Mitten im Kleid gab natürlich meine fünfzig Jahre alte Nähmaschine auf und eine neue Haushalts-Singer zog ein.

Einmal eine Nähmaschine im Haus dauerte es nicht lange, bis auch Stoffe einzogen. Neue Gardinen, Utensilios, Babykleidung für das kommende Kind meiner Freundin und andere Kleinigkeiten entschlüpften der Maschine.

Bis zur Gamescom 2014! Wieder wurde ich mit meinem Wunsch des Jaina-Cosplays konfrontiert, denn auch in diesem Jahr wimmelte es von Cosplayern auf der GC. Doch diesmal war ich ansatzweise mutig: eine junge Dame saß am Rand und entspannte ihre wohl schmerzenden Füßchen, kostümiert als Vincent Valentine, einer meiner ersten Computerspielhelden aus Final Fantasy VII. Ich sprach sie an, ob ich ein Foto mit ihr machen dürfte. So kamen wir ins reden. Epona Cosplay war sehr nett zu mir und während des Redens erzählte ich ihr von meinem Wunsch, auch mal ein Cosplay zu nähen und zu tragen. Ebenso meine Bedenken. Ich glaube als sprachliche Backpfeife kann man das bezeichnen, was sie dann sprach. Epona machte mir Mut, redete meine Komplexe in Grund und Boden und gab so den Anstoß, dem noch weitere folgen sollten.
Denn Abends lernte ich auf einem spontanen Blizzard Community Treffen die wunderbare Hogal Cosplay kennen, die mit ihrem ersten Cos auf der GC unterwegs gewesen war. Hatte Epona mir eine wörtliche Backpfeife gegeben, so bekam ich von Hogal regelrechte Wort-Prügel. Die beiden Mädels haben wirklich auf mich eingeredet, meine Bedenken zwar nicht AdActa, aber in den Keller verbannt.

Dafür an dieser Stelle tausend Dank!

Und was passierte dann? Ich holte die angeschimmelten Materialien wieder hervor, änderte Schnittmuster ab, bastelte Schultern, Stab und Panzer und "erschuf" eine Zwergenjaina. Es ist nicht das beste Cosplay, es ist auch nicht das Schönste. Aber es ist meines und es ist mein erstes.

Mittlerweile arbeite ich an dem Zweiten und möchte meine Reise in die Welt des Cosplays gerne für mich und vielleicht für Dich aufzeichnen. Eine Landkarte gibt es nicht, einen Kompass erst recht nicht, Wegweiser sind selten, dafür gibte es Freunde! Und Spaß!


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